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”kurz nach-denken” über Gut und Böse:

Hier die Antwort eines meiner besten Freunde auf ein E-Mail von mir. Er hat so trefflich und tiefsinnig ein paar Punkte formuliert, dass ich sie hier als Denkanstoß wiedergeben möchte.

“Lieber Michael,

mir fällt gerade wieder ein, dass ich noch ein paar Gedanken zu dem Ausdruck "weiß der Teufel" loswerden wollte. Diesen Halbsatz, den du (für mich überraschend) so unausgesprochen lassen wolltest in deiner Mail. Ich bin nicht recht geschichtssicher, das muss ich gestehen. Bibelsicher schon gleich gar nicht. Aber der Teufel und der Engel, Himmel und Hölle, Gut und Böse, sind meines Wissens Definitionen und damit Machtinstrumente der christlichen Kirche. Entstanden etwa im 10. Jh. unserer Zeitrechnung. Eingesetzt von der politisch herrschenden Kirche, um mittels Angst (vor dem Bösen) bei den Untertanen die eigene Macht zu stärken. Die kirchlichen Herrscher brauchten somit ein Feindbild, um ihre Macht zu untermauern. Eine Energieform der Dualität und gleichzeitig eine Art und Weise bei der sichtbar wird, dass man dem Einen (Geängstigtem) die Energie entzieht, um sie dem Anderen (Angst schürenden) einzuverleiben.

Ein sehr aktuelles Thema wie ich meine. Denn heute steht der Islam synonym für den Begriff Teufel. Zumindest möchte unsere Politik uns dies glaubhaft machen. Und die Terrorwarnungen machen den Anschein, als wäre dies für viele Politiker ein ein willkommener Anlass, um vor den eigenen und eigentlichen Problemen unserer Gesellschaft abzulenken. Kein Wort davon, dass wir mit unserem "höher, schneller, weiter" in einer Sackgasse stecken. Kein Wort davon, dass unser Bankensystem und unsere Art mit Geld umzugehen im höchsten Maße unethisch ist. Kein Wort davon, dass wir uns in unserem Konsumverhalten mäßigen sollten um etwas zu bewahren, das eigentlich gut ist. Stattdessen werden wir angemahnt, wachsam zu sein. Weil "fundamentalistische Kreise" oder "Terroristen", so die neuen Bezeichnungen für Teufel, dabei sind, uns zerstören zu wollen.

In der griechischen Mythologie ist es ja Hades, der Gott der Unterwelt, der über ein Reich herrscht. Im Gegensatz zum Teufel, ist dies aber ein Weltengebilde, welches sich ähnlich wie bei den Germanen oder auch bei den Kelten auf eine Dreiteilung stützt. Bei den Kelten war dies der Weltenbaum Igdrasyl. Die Wurzeln befinden sich in der Unterwelt, der Stamm ist die Leiter in den Himmel und das Geäst schafft mit Hilfe der Blätter die Verbindung zum Kosmos.

Diese meine Erklärung ist sicherlich etwas dürftig. Die Essenz aus dem Ganzen ist jedoch, dass es in unserer Vorzeit kein Gut und kein Böse gab. Werden und Vergehen hatten den gleichen Stellenwert. Himmel und Hölle (um in christlich-politischen Worten zu sprechen) waren unzertrennlich miteinander verbunden. Und genau diese Vorstellung ist es, welche mich so fasziniert! Schon alleine deshalb muss ich noch einige Zeit auf dieser Welt bleiben um zu erleben, was das im Einzelnen bedeutet. Lesen und verstehen lernen ist nicht genug. Stell dir vor, es gibt kein Gut und es gibt kein Böse.

"Ich bin der Esser und gleichzeitig das Essen". Das ist ein Auszug aus einem vedischen Text, den ich mir gemerkt habe. Weil es so einleuchtend ist. Wenn ein Vegetarier auf Rücksicht zu den Tieren kein Fleisch isst, dann ist dies im ersten Moment eine sehr edle Handlungsweise! Inzwischen sehe ich diese Einstellung eher als reichlich überheblich und sogar arrogant. Denn dies schlussfolgert, dass ein so denkender Menschen den Wert eines Lebewesens bestimmt. Was aber ist mit den Pflanzen? Sind sie nicht würdig, geehrt zu werden und damit vor unserer "Esswut" verschont zu bleiben? Was ist mit den Steinen? Den Mineralien? Dürfen wir sie so einfach zermahlen um Zement herzustellen? Um Tonziegel zu bauen? Ist das nicht das Gleiche, wie ein Tier zu essen? "Ich bin der Esser und gleichzeitig das Essen"... - für mich bedeutet dies, dass ich Teil des Ganzen bin. Ich benutze die Dinge des Lebens mit allergrößter Hochachtung (alleine diese Aufgabe dauert bei mir Jaaaahre und vielleicht viele Leben, bis ich mich darauf bewusst einlassen kann), und weiß doch, dass es richtig ist "Leben" zu essen. Denn es kommt die Zeit, wo ich meine Hülle der Erde übergebe, um wieder als Nahrung für anderes Leben zu dienen.

Hier gibt es kein Gut und auch kein Böse. Dies beschäftigt mich schon seit einiger Zeit. Die Aufgabe, die ich hier für mich sehe ist, diese Unterscheidung in meinem derzeitigen Leben aufzulösen. Alleine die Tatsache, wie oft ich mir bewusst mache was ich alles in Gut und Böse einschubladiere (falls es dieses Wort überhaupt geben sollte), ist schon gewaltig! Sich dann an den Versuch zu wagen, nicht zu werten, ist ein phänomenales Aufgabenspiel. Ich kann das zwar nicht so richtig. Und dann auch nur, wenn ich nicht direkt betroffen bin. Obwohl ich finde, dass ich mir zumindest Mühe gebe, dies zu erlernen. Wenn man aber dann die Konsequenz aus diesen Übungen ableiten würde, stünde man ja vor dem Ergebnis, dass ohne Wertung der Dinge auch keine Energie mehr fließen würde. Dies ist zumindest eine Vorstellung, die ich habe. Insofern wäre ich dann auf diesem Weg an der gleichen Stelle, an der du über einen anderen Weg hin gehen möchtest. Ist doch interessant, oder?

Somit hat dein nicht ausgesprochener Ausdruck "weiß der Teufel" in meinem Übungsfeld gerade den richtigen Platz eingenommen. Herzlichen Dank dafür. Denn ich bekam dadurch wieder vor Augen geführt, wo mein Übungsfeld liegt. Das vergisst man ja so leicht. Der Teufel steckt im Detail, haha!! Viel Wenn und Aber in diesem Text. Aber auch viel Energie! Und dazu ist diese, meine Welt schließlich da. Um zu üben und zu üben und zu üben...”


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