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”kurz nach-denken” über die täglichen Hilfsmittel:


Gestern Abend bin ich wie immer mit dem Pedelec von der Chorprobe durch den Wald nach Hause gefahren. Es war - wie (viel zu) oft in dieser Klimawandelzeit - ein lauer Sommerabend, kurz vor völliger Dunkelheit. Erst habe ich nichts Besonderes bemerkt, aber als ich zum Akkuwechsel einmal stehenbleiben musste und das Radlicht ausging, nahm ich die Hunderte und Tausende von Glühwürmchen wahr, die den Weg säumten. Ein wunderbarer Elfentanz im Wald, völlig lautlos und träumerisch - ein ganz eigener Zauber, der einen gefangen nimmt. Dann fuhr wieder ein Auto auf der Straße entlang, nichts bemerkend raste der Fahrer vorbei, so wie ich kurz zuvor auch.

Ich bin dann noch lange zu Fuß ohne Licht weitergegangen und habe meine Seele mit diesem Naturzauber genährt. Beinahe hätte ich selbst ebenfalls diesen Moment verpasst, auch geblendet vom eigenen Radlicht und blind für die Wunder am Wegesrand.

Je mehr Technik mehr verwenden, desto blinder werden wir für den natürlichen Ablauf des Lebens und die Wunder um uns herum. Nur ein bewusstes Reduzieren der Hilfsmittel und ein weiser Gebrauch davon führt uns wirklich in den Luxus, den wir eigentlich haben. Wenn ich aus der Stadt zu mir aufs Land wieder komme in der Nacht, genieße ich, die vielen Sterne und die Milchstraße zu sehen, die im Lichtermeer der Stadt untergehen. Durch das Pedelec-Fahren statt S-Bahn oder Auto spüre ich die frische Luft, sehe die nächtliche Silhouette der Bäume gegen den Nachthimmel, merke den Unterschied zwischen Stadtluft und frischer Luft, erlebe, was ein Auto im Vorbeifahren dieser Stille und dieser Frischluft antut, sehe untertags den Zustand der Bäume, die unter unserem Tun leiden. Je mehr wir uns in Kunstwelten gefangen halten, desto weniger bekommen wir die Folgen unseres täglichen Handelns mit und werden doch zuletzt bitter damit konfrontiert. Irgendwann ist immer Zahltag.

Ein Auto ist ein komisches Ding: außen macht es Lärm und Gestank, drinnen sitzt der Verursacher gemütlich und still. Wir belügen uns selbst damit und verhindern Bewusstheit, denn wir trennen Ursache und Wirkung im Erleben voneinander. Ein Bad ist - unbewusst benutzt - eine Ressourcenverschwendungsmaschine: Wir drehen einfach warmes Wasser auf und lassen es laufen, wir drücken aufs Knöpfchen und 3-10 Liter bestes Trinkwasser rauschen uns am Hintern vorbei. Etwas weniger davon und ab und zu eine kalte Dusche aus dem Gartenschlauch im Sommer macht frisch, lebendig und bewusst für den Luxus im Bad - und es macht bewusst, was wir beim immer im Warmen sitzen versäumen. Wenn Komfort und Luxus zum Alltag werden, dann tut uns das schlichtweg nicht gut, weder körperlich noch geistig. Aus dieser Erkenntnis heraus ist tatsächlich weniger mehr und Verzicht ein Gewinn.

Etwas weniger Auto und öfter mit dem (S-)Pedelec gefahren macht frisch, lebendig und bewusst für den Luxus, in einem geheizten, fahrenden Wohnzimmer zu sitzen - und es macht bewusst, was wir pro Kilometer an schönen Eindrücken am Wegesrand versäumen. Etwas weniger Smartphone und öfter bewusst den Moment genießen und schauen, was gerade um einen herum ist, macht frisch, lebendig und bewusst für den Luxus, bei Bedarf Informationen und Dienste abrufen zu können - und es macht bewusst, was wir jeden Moment an Menschen und Erlebnissen um uns herum versäumen oder wie trist eigentlich die menschengemachte Welt in der Stadt ist, wo man zwar wohnen aber nicht wirklich leben kann. Die Natur kann es halt besser als der Mensch.

Auch schmerzhafte Erkenntnisse wie massenhaft in der Hitze sterbende Fichten, verdorrende Zweig-Enden von Buchen und Eschen, Lärm und Gestank entlang der Fahrwege gedankenlos und im Übermaß eingesetzter Fahrzeuge, deren Insassen gerade eine gute Gelegenheit für Bewegung, Sinneseindrücke und Frischluft versäumen und nebenbei ihrer Gesundheit und der Umwelt Schaden zufügen - auch das gehört dazu und macht eine bewusste Wahl der eingesetzten Mittel erst möglich. "Ist der Weg länger als der Karr'n, wird g’fahrn!" - wirklich? Wer oder was bringt uns eigentlich dazu, gegen das Wohl von uns und der Umwelt zu handeln?

Niemand im Außen (aber vielleicht etwas in uns?!) kann uns wirklich dazu zwingen, mitzumachen oder uns über andere aufzuregen. Wir können es für uns selbst jederzeit anders probieren (oder eben gerade trotz besserer Erkenntnis nicht, warum eigentlich?!). Vielleicht heute mal oder jetzt gleich?! Es gibt für alle Probleme bereits eine Lösung, wir müssen sie nur wählen. Bewusstheit ist der Schlüssel zu dieser schönen Welt.


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