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”kurz nach-denken” über das Marionettentheater:

Nach den Beobachtungen bei mehreren Familienstellen ist mir ein Satz in den Sinn gekommen:

Leiden ist eine logisch aufeinander folgende Kette von Fehlannahmen.

Wenn meine Annahmen mit externer Hilfe (z.B. im Rahmen eines Familienstellens) von mir selbst angeschaut und ggf. als Fehlannahmen erkannt werden, kann ich entscheiden, sie loszulassen. Das schenkt Frieden und neue Handlungsfreiheit. Das kann nur ich tun, niemand anderes und niemand für mich.

Solange aber unser Blick auf die Körperebene fixiert ist (was wir von unseren Eltern und in der Schule gelernt haben – "träume nicht, pass auf!" – und was wir uns von den Medien täglich weiter ein-trichtern lassen), wirkt alles sehr vielschichtig und verworren, widersprüchlich, unklar und von keiner eindeutigen Wahrheit durchdrungen.

Es ist wie im Marionettentheater: Solange ich mich vom Geschehen in der Guckkastenbühne faszinieren lasse und versuche, das Verhalten der Gliederpuppen aus sich selbst heraus verstehen zu wollen, bleibt das Geschehen komplex und letztendlich unvorhersehbar. Ich kann zwar die Mechanik der Puppen entschlüsseln, viele und immer mehr Regeln herausfinden nach denen sie sich bewegen, kann deshalb aber noch nicht vorhersehen, wie sie sich künftig verhalten werden und warum. Je mehr Regeln die Wissenschaftler über das Geschehen auf der Bühne herausfinden, um so mehr könnte man sie ob ihres Wissens und zunehmender scheinbarer "Erkenntnis" bewundern und um so mehr sich in seiner Überzeugung, das Leben auf der Bühne wäre kompliziert und letztendlich nicht überschaubar und beherrschbar, bestätigt fühlen. Denn die Wissenschaft erklärt nur, wie sich die Gliederpuppe bewegen lässt, aber nicht warum sie sich so bewegt wie sie sich im jeweiligen Stück bewegt!

Ginge man jedoch mit seiner Aufmerksamkeit weg vom vordergründigen Bühnengeschehen, den Schnüren entlang nach oben und würde mal hinter die Kulissen schauen, mit dem Puppenspieler und dem Regisseur sprechen, sich also darauf konzentrieren, welcher Geist, welches Bewusstsein dieses Spiel lenkt, würde man viel einfachere Regeln finden, die einem das Geschehen auf der Bühne plötzlich viel logischer und vorhersehbarer erscheinen lassen. Wenn ich die Geschichte von Rumpelstilzchen kenne, werde ich nicht überrascht sein, dass die Gliederpuppe irgendwann wie verrückt herumtanzt und in der Luft zerspringt (analog zu einer selbstzerstörerischen Krankheit wie z.B. Krebs). Ich werde vielleicht nicht exakt sagen können wann dies der Fall sein wird, aber wenn es passiert, wird es nicht überraschend kommen - es war aufgrund des Geistes, der hinter diesem Charakter steht, vorhersehbar, dass es so kommen würde! Und die Geschichte kann ich mir in relativ kurzen Worten erzählen lassen, die Intention des Regisseurs und Puppenspielers bald erfassen und dann ist die ganze Aufführung nicht mehr von Spannung, Überraschung und Aufregung geprägt sondern ich kann sie bewusst und aus einem tieferen Verständnis heraus genießen.

Oder wenn mir das Ende des Stückes nicht gefällt (z.B. Rumpelstilzchen / Krebs), dann schreibe ich das Stück um, sobald ich erkenne, dass es in diese Richtung laufen könnte - bevor die Konsequenzen der angelegten Handlungsstränge sich auf der Bühne entladen, bevor “das Kind in den Brunnen gefallen ist”. Vielleicht kann man es auch vergleichen mit einer Aufführung, deren Handlung mir vorab bekannt ist, im Gegensatz zu einem Bühnenstück, über das ich vorab keinerlei Informationen habe. In letzterem Fall werde ich häufiger verwirrt und verständnislos das Bühnenspiel verfolgen müssen, mühsam Schlussfolgerungen ziehen, die manchmal falsch und manchmal richtig sein werden. Auf jeden Fall werde ich dauernd dem Geschehen auf der Bühne verständnismäßig hinterherlaufen. (Und das tut die moderne Medizin: Sie erkennt erst etwas, wenn es bereits passiert ist, also eigentlich zu spät.)

Und wie verwirrend muss es wohl sein, wenn der Zuschauer dann auch noch in den Bann des Bühnenstücks gerät, vergisst, dass er im Theater sitzt, auf die Bühne stürmt und um sein Leben oder sein Recht kämpft, weil er meint, das Geschehen dort sei Realität? Wenn er die Schauspieler bestürmt, sie möchten sich anders verhalten, weil er nicht mit ansehen kann was sie Dramatisches tun, dabei übersieht, dass es nur ein Schauspiel ist, gegeben für ihn, damit er ruhig zurückgelehnt durch Erkenntnis daraus lerne oder einfach durch das Erleben der Gegensätze besser herausfinde, was er für sich wählen möchte!? Aber dazu müsste er sich erst bewusst werden, dass das Drama nur ein Schauspiel und somit nur ein Abbild des dahinter stehenden Bewusstseins ist…

Das kann er nur herausfinden, indem er sich diese andere Sichtweise vor-urteils-frei zu eigen macht, um anschließend die Wirkung dieser um 180 Grad anderen Überzeugung zu verspüren. Dann erst wäre zu beurteilen, welche Überzeugung sich harmonischer anfühlt und das (Er-)Leben mehr in Fluss bringt. Davor steht jedoch die Angst, die scheinbare Sicherheit der alten Überzeugungen loszulassen, also scheinbar ein Opfer zu bringen für einen ungewissen Gewinn. Nicht mehr und nicht weniger ist gefragt.

Willst Du die Freiheit von (möglicherweise) alten Fehlannahmen? Bist Du bereit, Deine Überzeugungen selbst auf den Prüfstand zu stellen und ggf. loszulassen? Oder willst Du noch ein wenig das Drama, die Aufregung und Verwirrung behalten?

Beides ist ok. Entscheide Dich in aller Ruhe, aber bewusst. Stehe zu den Konsequenzen Deiner Entscheidung und wenn sie Dir nicht mehr gefallen, entscheide Dich neu. Es gibt keine Schuld, nur Verantwortung für unsere Entscheidungen. Und jeden Tag können wir uns neu entscheiden.

Kurz nach-denken.


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