Newsletter
an-/abmelden

kurz nach-denken

HomeÜber michGleichnisseBuch-TippsHeil-QuellenWeg-WeiserGlücklich seinGegenargumenteDenk-AnstößeVorträgeDownloadLinksImpressum
 

<<vorige Seite nächste>>

”kurz nach-denken” über den ganz normalen Wahn-Sinn:


Ich habe gerade die Jahresernte und –versand in meiner Orchideengärtnerei hinter mir. Dabei tauche ich für einen Monat im Jahr in den ganz normalen Wahn-Sinn der Welt ein, die sonstige Zeit habe ich mein Berufsleben inzwischen so umorganisiert (als Folge meiner Geistesschulung, denn erst kommt der Geist, dann folgt die Materie!), dass ich nicht mehr von der Welt der Wahn-Sinnigen abhängig bin.

Das heißt, ich habe wieder einmal erlebt, wie selbst gemacht der Stress und die Hektik in der Welt sind. Konkret geht es bei mir darum, dass die Kunden, die vorab schon längerfristig bestellt haben, jetzt rechtzeitig bezahlen (Vorauskasse) und ggf. bestimmte Importdokumente rechtzeitig zur Verfügung stellen sollten, damit sie rechtzeitig die von ihnen gewünschten Pflanzen erhalten. Das heißt, einmal im Jahr geht es auf Seite der Kunden nicht nur ums Wünschen und Wollen (Bestellung) sondern auch ums Tun (Bezahlen, Dokumente organisieren).

Und dabei stellt sich regelmäßig heraus, dass sehr viele Menschen mehr auf ihr Leben häufen als sie bewältigen können, also das Viele wählen statt das Wesentliche. Dabei passiert es dann, dass sie das, was sie eigentlich wollen, von sich fern halten, weil sie keine Reserven mehr haben, sich die dafür nötige Zeit darum zu kümmern. Zum Beispiel, das für sie nach eigenem Bekunden hochspannende Thema Gartenorchideen in den eigenen Webshop einzustellen, um vorab schon einen Teil der bestellten Pflanzen zu verkaufen. Zum Beispiel, um schlicht rechtzeitig eine Banküberweisung auszufüllen, damit die Pflanzen so früh kommen, wie sie es selbst ausdrücklich gewünscht haben. Sie haben nicht einmal Zeit, die Emails wirklich zu lesen und die Information aufzunehmen, die ich ihnen schicke. Viele Fragen, die gestellt werden, stehen genau in dem Email, auf das sie gerade antworten! Schlichtes Lesen in Ruhe hätte geholfen. Jeder Satz von mehr als zehn Worten wird nicht verstanden, nicht gelesen oder falsch interpretiert von scheinbar (eben nur Augen-Schein-lich) erwachsenen Leuten. Interessant.

(Wobei ich unter "erwachsen" im Grunde "selbst-bestimmt" und "selbst-bewusst" meine, also eine Kongruenz zwischen Wollen und Tun und eine Bewusstheit dafür, was mich eventuell daran hindert, sowie die Fähigkeit, die Hindernisse ggf. aus dem Weg zu räumen. Also das Attribut "erwachsen" kann man sich meines Erachtens nicht durch das Absitzen von Lebensjahren in der derzeit aktuellen Körperhülle verdienen...)

Aber zurück zum Thema: Wir haben die Technik des Internets und des Emails erfunden, um Zeit zu sparen und uns das Leben einfacher zu machen. - (Oder etwa nicht?) - Aber jede hilfreiche Technologie wird von einem Geist, der den Wahn im Sinn hat, ad absurdum geführt. Und so höre ich von manchen amerikanischen Kunden (die USA sind uns diesbezüglich wieder mal ein wenig voraus), das sie bis zu 400 Emails am Tag erhalten. Dass in diesem Stadium das Wesentliche nicht mehr vom Vielen getrennt werden kann, ist klar. Das, was zu einer besseren Informiertheit hätte führen können, führt zu weniger: Die Mails werden schlicht nicht mehr gelesen! Gut, dass Outlook eine Funktion hat, die die Schlange im Posteingang hinten nach einer gewissen Zeitspanne automatisch abschneidet und in die "Gelöschten Objekte" verschiebt - ungelesen! (Wer die Funktion braucht, kann mich gerne um Rat fragen. Aber dann werde ich ihm nicht Outlook erklären, sondern eines der Dahlke-Seminare empfehlen.)

Die Frage ist nicht: "Was muss ich tun, um dies zu ändern?". Die Frage, die wirklich eine Veränderung bewirkt (erst(!) auf der geistigen Ebene, dann ganz von alleine(!) auf der Materie-Ebene), lautet: "Was will ich denken, glauben und fühlen, um dies zu ändern!?"

Mein Credo ist inzwischen folgendes (und ich komme vom Burn-Out und weiß wie das ist): Sobald ich das, was täglich hereinkommt, nicht unmittelbar und ohne Zeitverzögerung bearbeiten, lesen, beantworten oder selbst entscheidend löschen kann, habe ich zu viel am Hals - (oder an der Backe oder wo habe ich es eigentlich, das "zu viel"?) - und etwas in meinem Denken gehört dringend geändert – falls ich wirklich etwas an meinen Verhältnissen ändern will. Denn die Gedanken erschaffen Welten und wenn mir meine Welt nicht gefällt (in Teilaspekten), dann zeigt es, dass mein Denken und Glauben geändert gehört (in Teilaspekten) – von mir selbst, nicht bei anderen und schon gar nicht die äußeren Umstände. Das wären die falschen (nicht wirksamen) Stellschrauben, das hast Du ja schon oft und lange genug probiert, oder? Siehst Du, ich nämlich auch!

Denn ich war im Burn-Out vor über zehn Jahren, ich hatte mit einem schweren Bandscheibenvorfall die Berufsunfähigkeit als Außendienstler vor Augen (konnte kaum eine Stunde ohne Schmerzen im Auto sitzen) und habe dennoch (eigentlich: gerade deshalb!) heute nur noch vier Wochen im Jahr, in der der Arbeitsanfall kaum anders zu bewältigen ist außer durch Vollgas (und das kann für kurze Zeit auch Spaß machen, wenn gut organisiert und planbar). Die restliche Zeit teile ich mir mein Leben selbstbestimmt ein, schaue morgens aus dem Fenster (nicht in den Fern-Seher) und fühle in mich hinein, ob heute ein Tag zum Arbeiten ist oder nicht. Und wenn nicht und draußen ein herrlicher Tag lockt oder der Regen mich nach innen führt in die Stille, dann schaue ich in meinen Organizer (so was sollte man haben für ein selbstbestimmtes Leben, aber auch das kann zur Selbst-Peitschung missbraucht werden) und wenn nichts Unaufschiebbares drinsteht, dann habe ich frei. Andernfalls wird erst das wenige Unaufschiebbare gemacht (nachdem ich alles Anfallende sofort erledige, gibt es davon höchst selten etwas) und dann habe ich immer noch frei, vielleicht eine, im Ernstfall fünf Stunden weniger. Das Universum weiß schon, was gut für mich ist, da bleibe ich locker und nehme es so, wie es kommt.

Und ich frage mich ernsthaft jeden Tag am Morgen, wie ich diesen Tag zu einem besonderen für mich machen kann. Ich habe gelernt, dass ich nur dann im Beruf erfolgreich bin, wenn ich in jedem Moment Lust zum Arbeiten habe und mich freut, was ich gerade tue. In schlechter Stimmung muss ich hart arbeiten und habe dennoch (eigentlich: gerade deshalb!) nur verhältnismäßig wenig Erfolg. Im Flow fühlt es sich gar nicht wie Arbeit an und ich komme mit wenigen Handgriffen / Telefonaten / Emails zum gewünschten Ziel. Inzwischen weiß ich, dass ich es mir gar nicht leisten kann, keine Freude an dem zu haben, was ich mache. Denn dann müsste ich so viel arbeiten, um das Nötige zu erwirtschaften, dass ich das Pensum der normalen Wahn-Sinnigen hätte (deren nobler Gesellschaft ich dereinst ein veritables Mitglied war).

Wenn ich mich nicht im Fluss fühle und gerade keine Freude auf das verspüre, was eigentlich dem Verstand nach anstehen würde, dann traue ich mich inzwischen, erst in mich hinein zu fühlen, was mir in diesem Moment gut tun würde, und ziehe dies dann vor. Oberste Priorität für erfolgreiches Arbeiten ist, dass ich mich gut um mich selbst kümmere, damit es mir gut geht. Der Rest kommt von alleine. Glaubst Du nicht? Aha, Du hast es also noch nicht wirklich ernsthaft und längerfristig ausprobiert, oder??

Macht nix, kannst ja immer noch damit anfangen, zum Beispiel JETZT. (Solltest Du zufällig nicht an “ab sofort” gedacht haben sondern eher an “vielleicht morgen”, dann erinnert mich das an ein Jux-Schild in bayrischen Gasthäusern: “Morgen gibt’s Freibier!”...)

Kleines, konkretes Beispiel zum Schluss: Vor zwei Jahren ist in den Niederlanden (der Hochburg des Gartenbaus) eine Firma aufgetaucht, die genau dieselben Gartenorchideen produziert wie ich. Nur gut zehn Mal größer als meine Gärtnerei von der Menge her (dreißig Mal größer in den Planungen für die Zukunft, von den Flächenrelationen gar nicht zu reden), die Pflanzen doppelt so groß wie meine und 50-70% billiger. Nach einer ersten heftigen Panikreaktion (ja, auch bei mir tritt der Ernstfall für die Geistesschulung immer wieder mal ein!) habe ich ohne zu handeln gewartet bis der Anfall vorüber war (wichtig und gar nicht so leicht!) und habe mich dann gefragt, was wohl am besten ist – für mich und für die anderen. Eines wusste ich sicher: In dieser Inkarnation will ich so was Un-Sinn-iges wie Konkurrenz nicht mehr erleben. Außerdem hätte mich die andere Firma locker platt gewalzt und mich nicht mal in den Stollen ihrer Reifen gefunden, so groß ist dieser weltweit agierende Betrieb im Vergleich zu meiner winzigen Firma. Was also ist das Gegenteil von Konkurrenz? Kooperation! Ich verkaufe seit zwei Jahren die Pflanzen dieser Firma neben meinen, absolut gleichberechtigt nebeneinander. Und das sind meine Wachstumsraten der Verkaufszahlen pro Jahr seitdem: +6%, +15%, +44%. Und meine Pflanzen sind immer noch ausverkauft jedes Jahr, obwohl meine Kunden frei wählen können! Dieser Angst, meine Kunden könnten zur billigeren (und vielleicht besseren?) "Konkurrenz" wechseln, musste ich ins Auge schauen; das war ich bereit zu riskieren. Und zwischendurch hatte es auch den Anschein danach. Ich war bereit, im Ernstfall meine Gärtnerei (nicht weniger als meine Lebensgrundlage) kampflos aufzugeben und ggf. nur noch die Pflanzen der andere Firma zu verkaufen, falls sich die Mehrzahl meiner Kunden für die andere Marke entschieden hätte (was ich nachvollziehen hätte können aus den vordergründigen Argumenten Preis und Größe heraus). Und gerade und nur(!) diese Bereitschaft, den worst case immer noch anzunehmen und für mich als Chance für eine gute Zukunft zu sehen und nicht als unerwünscht und unbedingt zu vermeiden, brachte den Durchbruch.

Wenn eine Tür zugeht, gehen zwei neue auf, wo man sie nie erwartet hätte. Aber vorher muss man die eine Tür zugehen lassen, ohne einzugreifen...! Das muss man sich erst mal trauen (wollen).

Kurz nach-denken.


zurück zur Übersicht